So machen es andere – Teil III: Straßen ohne Autos – Platz für Fuß- und Radverkehr

Angelburger Straße in FlensburgCorona: Damit Fußgänger mehr Platz haben, werden derzeit zur Prävention Straßen in New York für den Autoverkehr gesperrt (Der Tagesspiegel, 26.03.2020 – mehr).

In immer mehr Städten wurden inzwischen solche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung erprobt, so auch in Hamburg und Berlin. Die Vorhaben sind zunächst umstritten, finden nach einer Erprobungsphase jedoch durchweg deutliche Zustimmung.

New York, 14. Straße: Endlich kommen die Busse durch

Bereits im Oktober 2019 wurde in New York die 14. Straße probeweise für 18 Monate verkehrsberuhigt. Die 14. Streeth verläuft quer durch den Stadtbezirk Manhattan und  ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Jetzt dürfen dort nur noch Busse, Rettungsfahrzeuge, Lieferfahrzeuge (für Lieferungen in diese Straße) und Taxis tagsüber fahren. New York City will so testen ob man das öffentliche Bussystem nicht effizienter, schneller und damit attraktiver gestalten kann.

Die Maßnahme war außerordentlich umstritten, es wurde sogar Klage dagegen erhoben. Überraschung: Der befürchtete Verkehrskollaps blieb aus. Es gibt auch nicht mehr Verkehr in den umliegenden Straßen. Die Busse sind deutlich schneller unterwegs.

  • “Straßen ohne Autos: Sogar in New York einfacher als gedacht”- mehr
    Barbara Blaha, Momentum Institut, Wien (23.10.2019)
  • “Manhattan’s 14th Street to Ban Most Cars Starting Thursday” – mehr
    Bloomberg News (29.09.2019)

Berlin Mitte: Friedrichstraße sechs Monate verkehrsberuhigt

Ab Juni 2020 soll die bekannte Friedrichstraße in Berlin Mitte für ein halbes Jahr für den motorisierten Verkehr gesperrt werden. Dafür werden aufwändige Umgestaltungsmaßnahmen vorgenommen. Nach Presseberichten sollen die Bürgersteige von jetzt vier Metern pro Straßenseite ab Juni auf acht Meter erweitert werden, für Fahrradfahrer werde ein 2,50 Meter breiter Fahrstreifen in beide Fahrtrichtungen eingerichtet.

  • “Friedrichstraße soll sechs Monate autofrei werden”
    Rundfunk Berlin-Brandenburg, rbb24 (04.03.20) – mehr

Hamburg Ottensen: Anwohner und Gewerbetreibende für Verkehrsberuhigung

Im Hamburger Stadtteil Ottensen sollten ab September 2019 fünf Straßenabschnitte für sechs Monate weitgehend autofrei bleiben, mit Ausnahmen für den Lieferverkehr. Der Versuch wurde aufgrund einer Gerichtsentscheidung einen Monat früher abgebrochen. Zwei Gewerbetreibende hatten geklagt und recht bekommen: Für die probeweise Verkehrsberuhigung hätte nach geltendem Recht eine Gefahrenlage vorliegen müssen. Das Bezirksamt überlegt nun, die autofreie Zone dauerhaft einzurichten, da nur die Erprobung verboten worden war.

Denn bei der abschließenden Auswertung machten drei Viertel der Gewerbetreibenden deutlich, dass sie Verkehrsberuhigung wollen, wenn auch mit Veränderungen – wie eine Lockerung der Zugangsrestriktionen und einer Umgestaltung des Straßenraums.
Von den Anwohner*innen sprach sich ein ganz klare Mehrheit von über 80 Prozent für die Weiterführung der Verkehrsberuhigung aus. Auch sie wünschten sich vor allem die Umgestaltung des Straßenraums.

  • “Autofreies Ottensen. Scheidungsgrund nur in Ausnahmefällen” – mehr
    Christoph Twickel, Zeit online, 05.05.2020
  • “Ottensen macht Platz”: Ergebnisvorstellung und Diskussion
    “In der bis auf den letzten Sitzplatz gefüllten FABRIK, verfolgten über dreihundert Gäste aus dem Stadtteil gespannt der Vorstellung der Evaluationsergebnisse”. Mit den Ergebnissen der Befragung zum Herunterladen! – mehr

Zuerst fast immer Widerstand

Gegen Verkehrsberuhigungsprojekte formiert sich fast immer Widerstand: “Gewerbetreibende sorgen sich um die Erreichbarkeit ihrer Geschäfte, Anwohner um die Nachtruhe wegen lärmender Straßenpartys, Pendler um die gern genutzte Abkürzung. Fast immer ist es dann aber so: Die Bedenken lösen sich in Luft auf, in den Geschäften steigt der Umsatz, die Menschen nutzen die neuen Freiräume.
‘Mir ist kein Projekt dieser Art bekannt, das fehlgeschlagen ist’, sagt Philine Gaffron, Ober-Ingenieurin für Verkehrsplanung und Logistik an der TU Harburg.”, so Jürgen Pander, Spiegel.de – mehr (31.08.2019).

  • “Erst sind alle dagegen – und dann dafür”. Mit vielen Beispielen aus dem europäischen Raum – mehr
    Jürgen Pander, Spiegel Mobilität, 31.08.2019

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