Flensburg: Unfallbericht 2019 – kleine Lichtblicke und Warnsignale

Angelburger Straße – Süderhofenden, einer der Unfallschwerpunkte 2019.

Überraschend: Manche Menschen verdanken der Corona-Epidemie ihr Leben. Im März 2020 sank aufgrund der Einschränkungen die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland auf einen Tiefstand seit der Wiedervereinigung, so ein Bericht des Flensburger Tageblatts (26. 05.2020). In diesem Monat starben 158 Menschen im Straßenverkehr, im Vorjahr  waren es 234. Auch die Zahl der Verletzten ging zurück, z.B. in Schleswig-Holstein um ein Viertel von 1079 (März 2019) auf 704 (März 2020).

I. Unfallstatistik für Flensburg 2019

Lichtblicke …

Kleine Lichtblicke bietet auch die kürzlich veröffentlichte Flensburger Polizei-Unfallstatistik für das letzten Jahr 2019:

  • Nach jeweils zwei Unfällen mit Todesfolge in den Jahren 2017 und 2018 starb 2019 endlich niemand mehr auf Flensburgs Straßen.
  • Die Zahl der Leichtverletzten nahm geringfügig ab. Von 416 Fällen in 2018 ging die Zahl zurück auf 405 Fälle in 2019.
  • Es verunglückten weniger Kinder mit dem Fahrrad. 2018 waren es noch 24, 2019 17. (Womöglich allerdings, weil mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fuhren, was dann wieder zu Unfällen im Fußverkehr führte – siehe unten.)
  • Erheblich zurück ging auch die Zahl der Unfälle mit Motorrädern von 58 (2018) auf 38 (2019).

… und traurige Nachrichten

Doch die Statistik gibt auch Trauriges wieder.

  • Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in Flensburg stieg um 104 auf 3204, das sind 3,4 Prozent. Auch die Zahl der Schwerverletzten nahm zu, von 28 auf 30 insgesamt. Unfallschwerpunkte in Flensburg waren 2019 insbesondere Osttangente-Schottweg und Süderhofenden-Angelburger Straße (jeweils 7).
  • Problem Fußverkehr: Es verunglückten zwar insgesamt weniger Kinder. Bedenklich ist jedoch, dass sich die Zahl der als Fußgänger(!) verunglückten Kinder mehr als verdoppelte – von 7 auf 15. Insgesamt stieg in Flensburg der Zahl der Fußgängerunfälle fast um 30 Prozent – von 47 im Jahr 2018 auf 61 im Jahr 2019. Hauptursache, so der Polizeibericht: Das Verhalten der Fahrzeugführer.
  • Radverkehr: Die Zahl der Radunfälle nahm erneut zu, und zwar überproportional um 6 Prozent von 163 (2018) auf 172 (2019). Das gilt auch für Pedelecs. Waren es 2018 noch 27 Unfälle mit Pedelecs, erhöhte sich die Zahl 2019 um mehr als die Hälfte auf 42 Unfälle mit 4 Schwerverletzten.

Weiterlesen

  • Presseportal: “Veröffentlichung des Verkehrssicherheitsberichtes für die Stadt Flensburg” (mit Download).
    Pressemitteilung Polizeidirektion Flensburg. 21.04.2020 – mehr

II. Fazit: Rad- und Fußverkehr sicherer machen!

Die Entwicklung in Rad- und Fußverkehr ist ein Warnzeichen. Der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, bei den Pedelecs kann man sogar von einem Boom sprechen. Gleichzeitig gab es keinen Qualitätssprung im Bereich der Radwege.
So sind auch im Bereich der Unfälle in den letzten fünf Jahren steigende Tendenzen zu beobachten, wie die Grafik zeigt.

Flensburg: Unfälle in Rad- und Fußverkehr 2015-2019

Fazit: An der Unfallprävention muss weiter gearbeitet werden. Fuß- und Radwege müssen sicherer werden. Das gilt insbesondere jetzt zur Zeit der Corona-Pandemie, wo mehr Menschen das Fahrrad nutzen. Radwege müssen so sicher werden, dass Kinder gefahrlos zum Beispiel zur Schule fahren können.

Prävention: Sicher zur Schule zu Fuß und mit dem Rad

Wie kann Schülerverkehr zur Zeit der Corona-Pandemie sicher und infektionsarm gestaltet werden? Zufußgehen und Radfahren sind eine gute Alternative. 
Um dafür Raum zu schaffen, empfiehlt die aktuelle Handreichung “Mobilität umdenken im Lockdown. Zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule” der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen e.V. (AGFK.): “Geschwindigkeitsbeschränkungen, Einbahnstraßen, Durchlasssperren oder Vollsperrungen für den Kfz-Verkehr”. Weitere Vorschläge sind Halteverbote bei Kfz-Parkständen, Bannmeilen für Kfz im Schulumfeld und Einrichtung einer Kfz-Bring- und Abholzone. Das Fahrradparkangebot bei Schulen sollte verbessert werden und das Radfahren und Zufußgehen mit Bonussystemen oder Wettbewerben gefördert werden.

  • Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen e.V. (AGFK):
    “Mobilität umdenken im Lockdown. Zu Fuß und mit dem Rad zur Schule”. 18. 05.2020. PDF-Datei – mehr

… und Verkehrsüberwachung

Laut Pressemitteilung der Flensburger Polizei ist und bleibt die Verkehrsüberwachung “einer der Schwerpunkte polizeilicher Tätigkeiten”, mit “Geschwindigkeitsüberwachung, die Verfolgung von Trunkenheits-/Drogenfahrten sowie Kontrolle von Verstößen gegen die Anschnallpflicht” sowie dem neuen Thema “Ablenkung” durch Handybenutzung am Steuer.
“Im Jahr 2019 wurden in Flensburg 567 Handy- sowie 178 Gurt-Verstöße geahndet. Aber auch weniger sicherheitsrelevante Verkehrsordnungswidrigkeiten, wie z. B. Halt- und Parkverstöße, stehen im Fokus der polizeilichen Tätigkeiten und werden geahndet.”

Die kontinuierliche Präventionsarbeit ist wichtig, um Unfälle zu verhindern. Denn Menschen machen Fehler. Es gilt, das Verkehrssystem so zu planen, dass es solche Fehler verzeiht. Niemand darf dafür mit Gesundheit oder Leben bezahlen müssen.

III. Schleswig-Holstein Verkehrssicherheitsbericht 2019: Senioren besonders gefährdet

Was für Flensburg gilt, gilt auch für Schleswig-Holstein insgesamt: Es gibt gute und schlechte Nachrichten.

Positiv:

  • Im vergangenen Jahr sind deutlich weniger Menschen auf Schleswig-Holsteins Straßen ums Leben gekommen. Die Anzahl von 100 Verkehrstoten ist zum zweiten Mal der niedrigste Wert seit Einführung der Verkehrsunfallstatistik.
  • Es gab auf den Straßen etwas weniger Verletzte, statt 15.910 in 2018 15.838 in 2019. Übrigens: Knapp zwei Drittel, nämlich 63 Prozent, verunglückten innerhalb geschlossener Ortschaften.
  • Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Kindern hat abgenommen und auch die Zahl der verunglückten Kinder insgesamt ist etwas gesunken.

Kritisch:

  • Die Zahl der Verkehrsunfälle insgesamt ist um 1,6 Prozent gestiegen, von 90.799 in 2018 auf 92.207 in 2019.
  • Die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, ist erneut angestiegen auf 4.561 im Jahr 2019. Mehr als jeder vierte Verunglückte (27,4 %) im Straßenverkehr war ein Radfahrer. Jeder sechste Radunfall geschieht mit einem Pedelec.
  • Senioren sind im Straßenverkehr besonders verletzungsgefährdet. 2019 war fast jeder zweite Getötete im Straßenverkehr ein Senior, jeder der 7 Pedelec-Fahrer, die 2019 starben, war ein Senior. Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko, als Fußgänger tödlich zu verunglücken.

Prävention von Fahrradunfällen: Bessere Radwege mit Rad.SH

“Bei der Infrastruktur für Fahrradfahrer wurden signifikante Handlungsbedarfe identifiziert, die sich von Instandhaltungs- und Sanierungsbedarfen vorhandener Radverkehrsanlagen, über wichtige erforderliche Netzschlüsse bis hin zur baulastträgerübergreifenden Zusammenarbeit spannen”, so der Verkehrssicherheitsbericht Schleswig-Holstein 2019 (S. 45).

Die Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs in Schleswig-Holstein e.V. (RAD.SH), bei der Flensburg jetzt Mitglied wird, will hier Hilfestellung geben. Sie leistet Unterstützung bei rechtlichen und fachlichen Fragen, informiert über Fördermöglichkeiten und Programme und vernetzt die beteiligten Kommunen, um gemeinsam Planungs- und Bauleistungen zu beauftragen.

  • Rad.SH: Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs in Schleswig-Holstein e.V. – mehr
  • Landesregierung Schleswig-Holstein: Verkehrssicherheitsbericht 2019 zum Herunterladen (PDF) – mehr
    sowie: Verkehrssicherheitsberichte 2010-2019 – mehr
  • Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Unfallatlas Deutschland (2016-2018)
    Straßengenau sind hier die Unfälle mit Personenschaden angezeigt.
    Hinweis: Flensburg bei der Suche oben rechts eingeben – mehr

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