KFZ-Bestand in Flensburg: Stetig zunehmend!

Entwicklung der Zulassungszahlen in FlensburgEin Beitrag von Axel Dobrick, ADFC Flensburg. – Am 12. Februar 2020 veröffentlichte das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein die aktuellen Kfz-Bestandszahlen. Ergebnis: Anstatt zu sinken, stieg die Zahl zugelassener Pkw in Flensburg im vergangenen Jahr weiter auf zuletzt fast 44.000 Fahrzeuge. Wenn sich dieser Trend ungebrochen fortsetzt, werden im Jahre 2030 in der Fördestadt rund 52.000 Autos zugelassen sein.
Das jedoch ist das exakte Gegenteil der angestrebten Verkehrswende und steht diametral im Widerspruch zu dem, was die Kommunalpolitik sich vorgenommen und ihrer Wählerschaft versprochen hat, nämlich eine schrittweise Reduktion des motorisierten Verkehrs in Flensburg.

Verkehrsfläche zu 74 Prozent vom Autoverkehr beansprucht

Klimawandel und Extremwetterereignisse
Monatelanger Dauerregen gefährdet die Landwirtschaft: Äcker und Böden können derzeit keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen. (Foto: ADFC Flensburg)

Während der “Masterplan Mobilität” als kommunalpolitische Strategie einen Rückgang des Kfz-Verkehrs und die Förderung des so genannten “Umweltverbundes” aus Fuß- und Radverkehr sowie Bus und Bahn vorsieht, ist man dabei, immer mehr Autos auf begrenztem, städtischen Raum unterbringen zu wollen. Der motorisierte Verkehr beansprucht aber bereits heute 74% (!) aller Verkehrsflächen für sich, FalschparkerInnen nicht eingerechnet (Quelle: Verkehrspolitische Leitlinien 2016, CDU Flensburg, S.3). Der motorisierte Individualverkehr trägt somit weiterhin null zur Verringerung des CO2-Belastung bei; im Gegenteil: Autos werden immer größer und leistungshungriger.

Wohin das führt, kann man gut in der Landeshauptstadt Kiel beobachten, wo demnächst entlang der B 76 Absauganlagen auf Radwegen platziert werden sollen, um Messgeräte zu überzeugen, dass die ansonsten abgasgeschwängerte Luft an dieser Stelle rein ist. Besser kann man die Augen vor der Realität nicht verschließen …

Unterdessen erleben wir tagelange, heftige Orkane, beschädigte Küsten, Unterspülungen, abgesackte Straßen, steigende Meeresspiegel, monatelangen Dauerregen, viel zu milde Winter und sommerliche Dürre, die zu Missernten führt.

Flensburg: Keine Lösung für Mobilitätskrise in Sicht

Doch während die Folgen des fortschreitenden und möglicherweise bald unumkehrbaren Klimawandels durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe auch in Schleswig-Holstein zunehmend spürbarer werden und massiv Steuergelder verschlingen, tut man sich in Flensburg selbst mit der Verkehrsberuhigung einzelner Straßen schwer.

Die Politik findet offenbar weiterhin keine Lösungen für die Mobilitätskrise. Ein ordnungspolitischer Rahmen für eine zielgerichtete Verkehrswende fehlt ebenso wie der übergreifende Konsens für einen solchen Wandel und für den dafür notwendigen, raschen Ausbau von Mobilitätsalternativen. Stattdessen sehen wir die scheinbar unbeirrte Fortsetzung einer autogerechten Verkehrspolitik aus dem letzten Jahrhundert, die unser aller Zukunft gefährdet.

OB Lange: Wünscht sich “mutigere Entscheidungen von der Politik” …

Fast schon resignativ weist der “Masterplan” darauf hin, dass “Bereiche zum Flanieren … durch parkende Autos stark eingegrenzt” werde. Dadurch gebe es “hohes Konfliktpotenzial in den Seitenräumen”; gerade so, als sei dies ein Naturgesetz und kein Ergebnis autogerechter Stadtplanung und unzureichender Falschparkerkontrolle. Und unverändert genießen an der Schiffbrücke Massen parkender Autos (und nicht etwa Touristen und Einheimische) Fördeblick.

Mit Ausnahme der Viktoriastraße wurde in den letzten Jahren keine einzige der 116 Flensburger “Natursteinstraßen” (im Volksmund: Kopfsteinpflaster) für den Radverkehr hergerichtet; nicht einmal am Bahnhof, dem nachhaltigsten Verkehrsknoten der Stadt. Sieht so urbane Verkehrspolitik im 21. Jahrhundert aus?

Oberbürgermeisterin Simone Lange scheint indes auf das Prinzip Hoffnung zu setzen: Als der Verkehrsclub Deutschland (VCD) ihr jüngst rund 1.350 Unterschriften für eine sofortige Mobilitätswende übergab, äußerte die bundesweit bekannte SPD-Politikerin, dass sie sich von “der Politik” mutigere Entscheidungen wünsche. Sie sei “überzeugt davon, dass der Wind sich drehe“ (Quelle: „Flensburger Tageblatt“ vom 11.02.2020).
Diese Position überrascht angesichts stetig steigender Zulassungszahlen in der Fördestadt.

ADFC und VCD: Fördermittel für Radverkehr abfordern!

Die Verkehrsclubs VCD und ADFC werden weiterhin auf solch anachronistische Entwicklungen hinweisen und sich u.a. gezielt für mehr Radverkehr einsetzen. Der Fahrrad-Club hatte die Stadt Flensburg bereits im letzten Herbst aufgefordert, verfügbare Fördermittel für einen gezielten Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur endlich abzufordern und schleunigst zu verbauen.

Die Zeit dafür ist jetzt: Aktuell öffnen sich wieder diverse Förderfenster, die Investitionen in kommunale Radverkehrsinfrastruktur ermöglichen würden …

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